Rundgang - Station 4
Der Bauerngarten
Der Bauerngarten ist traditionell das Reich der Bäuerin. Er ist ursprünglich ein reiner Nutzgarten und soll einerseits das für den täglichen Gebrauch erforderliche Gemüse (Blumenkohl, Kohl, Zwiebeln, Fenchel, Endivie, Möhren, Kohlrabi), die gängigen Kräuter (Petersilie, Schnittlauch, Borretsch, Kerbel), möglichst auch einige Heilkräuter und etwas Obst (Rhabarber) liefern. Er darf aber auch nicht zu groß sein, weil die Zeit für die Pflege fehlt. Rasen gibt es verständlicherweise kaum.
Nicht fehlen aber darf die Bank, auf der man sich am Abend nach getaner Arbeit ausruht und die Fülle der oft duftenden, mühsam gezogenen Blumen im kleinen Paradies bewundert. Mit Ziegeln oder Kopfstein gepflasterte oder mit Kies bestreute, gegliederte Wege sind optisch reizvoll. Eingefasst wird dieses kleine Reich traditionsgemäß mit Steinen, Polsterstauden (Lavendel) oder klassischerweise von Buchsbaum. Ein rustikaler Bogen ist das ideale Klettergerüst für hochstämmige Rosen, Geissblatt oder Clematis. Den seitlichen Abschluss bildet oft ein Apfelspalier. Nicht fehlen dürfen die blauen Glaskugeln, in denen sich der Garten in seiner ganzen Pracht spiegelt.
Bei den Blumen wird darauf geachtet, dass neben Stauden, die jahrelang halten, auch einjährige Blumen vorhanden sind, sodass man das ganze Jahr über Freude an Formen und Farben hat. Klassische Pflanzen sind unter anderem Lavendel, Lilien, Pfingstrosen, Lupinen, Goldlack, Nelken, Fingerhut, Wicken und Rittersporn. Tulpen und Stiefmütterchen bringen den Frühling nahe, niedrige Dahlien den Herbst in allen Farben.
(Dr. H. Fleischer)
Der Bauerngarten ist 642,70 qm groß und unterteilt sich in eine Rasenfläche mit drei Kugelahornbäumen und eine Stauden- und Wechselbepflanzungsfläche von 226 qm.
Die Gestaltung geht zurück auf die vorchristliche Beschreibung des Garten Eden mit vier Strömen. Die rechteckige Gartenform mit kreuzförmigen Wegen und einem Mittelrondell oder Brunnen wurde in den mitteleuropäischen Klöstern übernommen und gelangte so zu allgemeiner Verbreitung. Viele Jahrhunderte hat der Bauerngarten überdauert und dabei sein Aussehen ohne große Veränderungen bewahrt. Damit wurde er unbestreitbar zu einem bedeutsamen Kulturgut. Typisch ist die geometrische Form mit eingefassten Beeten.
Statt beetweise "preußischer Marschkolonnen" an Gemüse mit Massenernte und Schädlingsinvasionen bei häufiger Bodenbearbeitung bzw. Unkrautbekämpfung gedeihen im historischen Bauerngarten unterschiedliche Gemüsearten in friedlichem Nebeneinander mit Stauden und Kräutern. Diese Anbauart hat eine lange Tradition, denn in der Natur gibt es keine so genannte Monokultur. So ist hier der Boden das ganze Jahr über bewachsen und bleibt feinkrümelig und humos. Verschiedene Pflanzenarten nutzen unterschiedliche Nährstoffe; die gute Bodenbeschattung verhindert weitgehend das Aufkommen von Unkräutern. Sein Gemüse war einst lebenswichtige Nahrungsgrundlage, und durch die Anzucht von Heilpflanzen war er auch Apotheke. Die bunte Blumenpracht diente sowohl dem Brauchtum als auch der Gesundheit: Madonnenlilie, Schwertlilie, Ringelblume, Stockrose und chinesische Pfingstrose waren wegen ihrer Inhaltsstoffe begehrt.
Historische Schmuckstauden und Sommerblumen:
Christrose, Eisenhut, Gemswurz, Kaiserkrone, Lupine, Madonnenlilie, Maiglöckchen, Märzbecher,
Narzisse, Türkenmohn, Pfingstrose, Phlox, Schafgarbe, Schwertlilie, Tränendes Herz, Vexiernelke,
Bartnelke, Fingerhut, Gartennelke, Goldlack, Judassilberling, Marienglockenblume, Ringelblume,
Kapuzinerkresse, Stiefmütterchen, Stockrose, Vergissmeinnicht
Der Einfassungsbux wird im Bergischen auch Palm genannt. Buchsbaumsträußchen wurden traditionell am Palmsonntag in Ermangelung echter Palmwedel in der Kirche geweiht.
An den vier Ein- bzw.- Ausgängen befinden sich Rosenbögen mit Kletterrosen, die wie die in der Mitte des Gartens leicht Rosa blühende Rose "Solingen" von den Rosenfreunden Solingen gepflegt werden (in der Sommerzeit kommen noch Fuchsienhochstämme hinzu).
Auf der Rasenfläche des Bauerngartens befinden sich Skulpturen der Jugendhilfewerkstatt e.V., die in verschiedensten Formen im ganzen Park zu entdecken sind.
Der Bauerngarten wird von der Stiftung Botanischer Garten Solingen e.V. gepflegt.
(Babara Azza, Matthias Nitsche)
Vorwort
Die Schauhäuser
Der Biblische Garten